Jede Reitstunde eine Heldenreise

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Reiten ist wie das Leben – unvorhersehbar

von Bettina Löber

Eigentlich ist jede Reitstunde eine Heldenreise: Wir steigen ein – und in diesem Fall auch auf – mit all unseren derzeitigen Stärken und Schwächen im Gepäck. Wir tun es, weil das Reiten uns ruft, weil wir die Verbindung und dieses unglaublich schöne Erlebnis ersehnen. Nach einigen Minuten stoßen wir an unsere Blockaden … es läuft nicht so, wie wir es uns gewünscht haben. Wenn es gut geht, ergibt sich daraus ein Ziel: Dieses oder jenes wollen wir lernen, anders machen. Und dann führt unsere Reise durch tolle Sequenzen, aber auch Zerreißproben und Momente des Scheiterns, wir müssen alte Vorstellungen und Haltungen loslassen, um immer wieder neue Schätze zu heben und echte Einheit mit unserem Pferd zu finden. Reiten ist wie das Leben – unvorhersehbar. Es fordert den ganzen Menschen, und es verlangt von uns den Mut zur Veränderung.

Ihre immense Kraft entfaltet die Heldenreise erst, wenn sie bewusst erfahren wird

So ähnlich wie hier beschrieben „passiert es“ ständig, auch unbewusst. Aber ihre immense Kraft entfaltet die Heldenreise erst, wenn sie bewusst erfahren wird. Dann kann sie Berge versetzen. Das kann sie nicht, wenn meine Reitangst, mein Selbstzweifel, mangelnde Verbindung und andere massive Blockaden unbewusst dem Verwandlungsprozess im Wege stehen. Zum Beispiel bei Frauen wie mir. Nach einem hammerharten Reitunfall vor zwei Jahren ist die Unbeschwertheit dahin, und in einem Alter von jenseits der fünfzig kommt sie von selbst auch nicht wieder. Vorher konnte ich nicht genug davon bekommen, auf meinem Wallach sattellos und am liebsten im schnellen Galopp durch die Natur zu streifen. Jetzt ist jedes Aufsteigen eine Herausforderung. Die Erfahrung, dass eine einzige Sekunde das ganze Leben verändern und immens schmerzhafte Folgen haben kann, hat sich tief eingegraben. Ich arbeite mit Pferden und der Heldenreise, habe das Unfalltrauma gelöst, ich kenne die enormen Möglichkeiten der Kommunikation und Verbundenheit mit Pferden, solange meine Füße auf dem Boden stehen. Sobald ich im Sattel sitze, verliere ich einen guten Teil meiner Präsenz, meiner Zuversicht und Balance.

Eine Heldenreisen-Reitlehrerin

DSC_1917Deshalb habe ich einen Traum: Ich wünsche mir eine/n Heldenreise-Reitlehrer/in. Ich wünsche mir eine neue Ausbildung – Reitlehrer/innen, die sich fortbilden zu Heldenreise-Reitlehrern. Die aus jeder Reitstunde eine bewusst erlebte Heldenreise machen. Mein Traum sieht in etwa so aus:
Wenn ich ankomme – oder der/die Reitlehrer/in bei mir -, verbringen wir ein paar Minuten zu dritt. Zwei Menschen und ein Pferd bewegen sich frei über den Platz und fühlen hin, spüren den Stimmungen und Energien nach und schaffen einen gemeinsamen Raum, in dem das Geschehen stattfinden kann. Je nachdem, wie ich mich gerade fühle, sorgen wir für genügend Erdung und Präsenz, und wir schauen, welche Bedürfnisse unser Pferdepartner heute wohl gerade hat.

Dann steige ich auf. Die Reitstunde hat ein Ziel, das wir nun gemeinsam vor Augen haben. Mein Reitlehrer ist talentiert im Multitasking und verteilt seine Aufmerksamkeit etwa 50:50 auf das Pferd und mich, und die 50%, die bei mir sind, verteilen sich wiederum 50:50 auf die körperlichen Bewegungsabläufe und meine inneren Bewegtheiten. Diese Aufteilung verschiebt sich je nach der momentanen Situation. Mein Reitlehrer hat ein geschultes Gespür für die Momente, in denen ich meine authentische Kraft verliere und blockiert bin. Mir ist immer wieder aufgefallen, dass ich während meiner Reitstunden manchmal ein ziemliches Redebedürfnis habe. Eine RL verwies mich dann darauf, dass ich mal aus dem Kopf raus und in den Körper gehen sollte. Aber das half mir nicht, denn ich habe nicht nur geredet, um zu verstehen, sondern vor allem, weil ich Verbindung gesucht habe. In Momenten der Überwältigung oder Verwirrtheit. In Momenten innerer Zerreißproben. Weil ich die energetische Verbindung zum gemeinsamen Geschehen verloren hatte. Mein Traum-RL spürt dies und fügt eine Pause ein oder irgendetwas, das mich zurückholt. Oder wenn ich verwirrt und zerrissen bin, ermitteln wir gemeinsam, wie ich durch diese Erfahrung hindurchreiten kann, ohne mich entweder in die Komfortzone zurückzuziehen oder total überfordert zu sein … wie ich durch diesen Moment hindurchreiten kann, ohne zu stürzen.

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Es geht um nicht weniger als das Leben

Ich wünsche mir, dass unsere Heldenreise-mit-Pferden, die Menschen so unglaublich effektiv in ihr inneres Selbst und eine echte Präsenz führen kann, auch im Reiten Fuß fasst und neue Wege bahnt! Ich habe selbst an einem Workshop „Reiten mit Bewusstsein“ teilgenommen, kurz nach meinem verheerenden Unfall. Es war pure Glückseligkeit, als ich mit einem wundervollen Pferd total angstfrei und im absoluten Vertrauen, dass es gelingen wird, einen kleinen Hindernisparcours durchritt. Und am nächsten Tag auf seinem Rücken eine Waldwanderung erlebte. Das Geheimnis des Erfolgs war: Verbindung!

Ich glaube, dass die gigantische Gruppe „neuer“ Reitschülerinnen – die Frauen ab 45 – auch eine neue Art von Reitunterricht brauchen. Sie sind enorm verletzbar da oben auf dem Pferderücken, und sie sind sich mehr oder weniger der Tatsache bewusst, dass ihr Ruf zu reiten mehr ist als das bloße Reiten. Es geht ihnen um nicht weniger als das Leben. Immense Sehnsucht nach authentischer Verbindung, gemeinsamem Flow, innerer Freiheit.

Jede Reitstunde eine Heldenreise – das möchte ich hiermit als Ruf in unseren großen gemeinsamen Raum hineinsenden, damit das Glück der Erde für die vielen Pferdeleute, die zur Zeit nach neuen Wegen suchen, und auch für die Pferde wieder auf dem Rücken der Pferde liegen kann!

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Autor/-in: Bettina Löber


Meilensteine meiner Lebensreise zur Hero’s Journey Instruktorin waren u.a. – zwanzig Jahre kreativer Berufstätigkeit als freie Dozentin und Reiseveranstalterin – ebenso lange Beschäftigung mit den Weisheiten des Orients, u.a. als Buchautorin – Teilnahme am NOW – Programm (Nature of Wisdom) von EPONA/Linda Kohanov – Ausbildung zur Hero’s Journey Instruktorin – online-Ausbildung in Freiarbeit und partnerschaftlicher Kommunikation mit Pferden von Carolyn Resnick (Seven Waterhole Rituals) Informationen zu meinen Workshops und Einzeltrainings gibt es unter: www.skarabaeus-leben-im-wandel.de bettina.loeber(at)freenet.de 0152-225 639 01
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5 Kommentare
  1. Hallo Bettina
    das hat mir voll aus dem Herzen gesprochen:

    Dann kann sie Berge versetzen. Das kann sie nicht, wenn meine Reitangst, mein Selbstzweifel, mangelnde Verbindung und andere massive Blockaden unbewusst dem Verwandlungsprozess im Wege stehen.

    Komme gerade von einem Ritt den ich besser aus diesem Tag streiche 🙁 meine Sehnsucht ist eine ganz andere wie das was da heute war 🙁
    Aber aufgeben ist keine Option morgen ist ein neuer Tag.

    Herzliche Grüße

    Gabriele

  2. Liebe Gabriele,
    jeder Satz spricht mich an und entspricht meinen Erfahrungen! Alles Gute für die weitere Arbeit in diesem Geist.
    Herzliche Grüße!
    Margrit

    PFERD UND MENSCH

    Am Anfang ein vages Ahnen,
    Suche nach stillem Kontakt.
    Tiefe schwarze Augen mahnen
    zur Würde in diesem Kontrakt.

    Ständiges Geben und Nehmen,
    Versprechen ohne Betrug.
    Als Lohn dann ein stolzes Schweben,
    ein rauschender Ritt wie im Flug.

    Die Botschaft fließt durch Berührung,
    die Nähe wächst durch Fleiß.
    Mit Verständnis, Respekt und Führung
    sind sie seelenverwandt, sind sie Eins.

    Margrit Baumgärtner/PFERDEPOESIE

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